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The Dispatch: Woche 50

Vom Software-Stack zur strategischen Tragweite: Volvo will Software an Wettbewerber verkaufen, Hyundai ernennt gebürtigen Deutschen zum Entwicklungschef, Porsche-Fahrzeuge in Russland lahmgelegt und OTA-Risiken rücken in den Fokus.

12. Dezember 2025 · 5 Min. Lesezeit · 6 Aufrufe · SDV Insider
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The Dispatch: Woche 50

SDV Insider - 12. Dezember 2025

Einen schönen Freitag 👋 und willkommen zum Abschluss der Kalenderwoche 50. Während die Code-Freezes vor den Feiertagen näher rücken, zeigt das softwaredefinierte Fahrzeug sowohl sein Potenzial als auch seine Anfälligkeit: Volvo hat genug Vertrauen in seinen einst problembehafteten Software-Stack, um ihn an Wettbewerber zu lizenzieren, während Hunderte Porsche-Fahrzeuge in Russland durch eine ausgefallene Backend-Verbindung lahmgelegt wurden. Wenn ein Server ausfällt, verliert Ihr Auto dann Spotify - oder funktioniert es überhaupt nicht mehr? Diese Frage prägt inzwischen Strategie, Führung und Risikomanagement in der gesamten Branche.


🚀 Top-Meldungen

Volvo macht aus Softwareproblemen ein Produkt

Nach dem Kampf mit der „Softwarehölle“, die den EX90 verzögerte, will Volvo seinen zentralisierten Software- und Computing-Stack „Superset“ nun an andere Automobilhersteller lizenzieren - eine Abkehr von der jahrelangen Entwicklung ausschließlich für den Eigenbedarf. Das System soll künftige Elektrofahrzeuge mit wenigen Hochleistungsrechnern betreiben und gilt inzwischen als stabil genug für externe Partner. Das sagt Anders Bell, Chief Engineering and Technology Officer von Volvo und ehemaliger Tesla-Manager, der den Ansatz mit Apples iOS vergleicht: Fehler einmal beheben, überall ausrollen. Der Schritt spiegelt einen breiteren Branchenwandel wider, denn die Erfahrungen in der gesamten Industrie zeigen die zunehmende Komplexität und die Risiken, vollständige SDV-Stacks intern zu entwickeln.

Unsere Einschätzung:
Der SDV-Markt könnte in seine Phase der „Androidisierung“ eintreten, doch die Sache hat einen Haken: Wenn OEMs ihren zentralen Software-Stack an Wettbewerber verkaufen, kann das langfristige strategische Spannungen erzeugen. Neutrale Plattformen, unabhängige Softwareanbieter oder konsortiale Partnerschaften könnten sich letztlich als skalierbarer erweisen als die Abhängigkeit von konkurrierenden Automobilherstellern als Infrastrukturanbietern.

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Hyundai bricht mit Traditionen, um seine SDV-Roadmap auf Kurs zu bringen

Hyundai Motor Group befördert den gebürtigen Deutschen Manfred Harrer, einen ehemaligen Leiter des Apple Car-Projekts und langjährigen Entwicklungsmanager bei Porsche/BMW, an die Spitze seiner zentralen Forschungs- und Entwicklungsdivision für Hyundai und Kia - ein seltener und folgenreicher Schritt für einen koreanischen Chaebol. Harrer kam zwar bereits 2024 zu Hyundai, doch seine Ernennung zum Leiter des Namyang Research Institute, zusammen mit Führungswechseln in Programmen für künftige Fahrzeuge, signalisiert eine gezielte Bündelung der Verantwortung für Hardware, Software und Plattformen unter einer einzigen Führungskraft. Das ist keine kosmetische Umbesetzung: Hyundai setzt faktisch darauf, dass softwareorientiertes Produktdenken an der Spitze der Forschung und Entwicklung verankert sein muss, um seine Roadmap für SDV und autonomes Fahren zu beschleunigen. Etablierte OEMs lernen, dass Softwaretalente nicht nur eingebunden werden dürfen - sie brauchen auch Entscheidungsbefugnisse. Mehr erfahren →

Hyundai Motor Group Appoints Manfred Harrer as Head of Genesis and  Performance Development Tech Unit
Neuer Forschungs- und Entwicklungschef der Hyundai Motor Group: Manfred Harrer

🧠 Branchenpuls

Telematik als Single Point of Failure - Porsche-Fahrzeuge in Russland:
Hunderte Porsche-Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor wurden in Russland nach einem Ausfall ihrer telematikgekoppelten Satelliten-Sicherheitssysteme lahmgelegt, der die Fahrzeuge in einen dauerhaften Fehlerzustand versetzte. Ermittler vermuten einen zentralen Auslöser: ein fehlerhaftes Firmware- oder Konfigurationsupdate, ein kompromittiertes Sicherheitsmodul oder eine koordinierte, großflächig ausgelöste Fernstilllegung. Da Elektrofahrzeuge und Hybride nicht betroffen waren, konzentriert sich die Aufmerksamkeit auf verbrennerspezifische Telematikprofile. Das erinnert an frühere Cybervorfälle in der Automobilbranche, bei denen sich OTA-Fehlkonfigurationen kaskadenartig auf ganze Flotten auswirkten.

Berichten zufolge wurden Hunderte Porsche-Fahrzeuge in Russland durch eine Fehlfunktion des Satellitenortungssystems unbrauchbar und fahrunfähig

Waymos Schulbus-Sonderfall: Waymo leitete einen freiwilligen Software-Rückruf für mehr als 3.000 Robotaxis ein, nachdem sein automatisiertes Fahrsystem Schwierigkeiten hatte, haltende Schulbusse korrekt zu interpretieren. Es gab keine Verletzten, doch der Fall unterstreicht, dass Sonderfälle mit besonders gefährdeten Verkehrsteilnehmern beim autonomen Fahren weiterhin regulatorischen Zündstoff bieten.

GM stärkt seine OTA-Basis: General Motors hat ein verpflichtendes OTA-Update für Silverado- und Sierra-Pickups ausgerollt, das den „Softwareupdate- und Diagnoseprozess“ verbessern soll. Was oberflächlich geringfügig erscheint, spiegelt die umfassenderen Bemühungen von GM wider, die OTA-Zuverlässigkeit beim Übergang zu einer zentralisierten Rechnerarchitektur zu stabilisieren. Diese bündelt Antrieb, Sicherheit, Infotainment und Karosseriesysteme auf einer einzigen leistungsfähigen Plattform. Das Update unterstreicht eine zentrale Lektion, die GM schmerzhaft lernen musste: OTA-Pipelines müssen absolut zuverlässig sein, bevor Software zum Rückgrat des Fahrzeugs wird.

OTA im großen Maßstab: Teslas Rückruflösung für 1,8 Millionen Fahrzeuge: Tesla hat ein OTA-Update für rund 1,8 Millionen Fahrzeuge ausgerollt, um ein Problem bei der Erkennung der Motorhaubenverriegelung zu beheben - eine umfangreiche Rückrufmaßnahme, die vollständig per Softwareupdate abgewickelt wurde. Ein Beleg dafür, dass eine skalierbare OTA-Basis die Situation retten kann.


💼 Unternehmensentwicklungen & Partnerschaften

Greaves Electric Mobility + Sibros: Die SDV-Plattform von Sibros wird OTA-Updates, Diagnosefunktionen und Datendienste in die elektrische Zweiradpalette Ampere von Greaves bringen.

Rivian + Apple Wallet: Rivian hat per OTA die vollständige Unterstützung für Apple Wallet Digital Key ausgerollt.

Sony Honda Mobility (Afeela) + Reviver: Die Integration digitaler Kennzeichen des auf vernetzte Kennzeichen spezialisierten Unternehmens Reviver stärkt die technologieorientierte Positionierung von Afeela.

Element Fleet übernimmt Car IQ: Eine bedeutende Konsolidierung bei fahrzeugintegrierten Zahlungslösungen.

TVS Motor auf der globalen Bühne:Gaurav Gupta, Präsident des Zweiradgeschäfts von TVS Motor, wurde zum Vizepräsidenten der International Motorcycle Manufacturers Association (IMMA) gewählt.

Elektrobit kommt auf den SDVerse-Marktplatz: Elektrobit bietet seine Open-Source-Betriebssysteme und sein interoperables Automotive-Softwareportfolio nun auf dem B2B-Softwaremarktplatz SDVerse an.


📊 Märkte & Berichte

Sicherheit vernetzter Fahrzeuge steuert auf 7 Milliarden US-Dollar zu: Der weltweite Markt für die Sicherheit vernetzter Fahrzeuge soll von 3,37 Milliarden US-Dollar im Jahr 2025 auf 6,99 Milliarden US-Dollar bis 2032 wachsen, angetrieben durch die Abhängigkeit von OTA und regulatorischen Druck (UNECE R155/R156).


📅 Veranstaltungen

Vorschau auf die CES 2026: Die CES 2026 steht vor der Tür. Erwarten Sie zahlreiche neue Ankündigungen rund um SDV und Fahrzeugtechnologie von Akteuren aus dem gesamten automobilen Ökosystem in der Vehicle Tech & Advanced Mobility Hall in Las Vegas vom 6. bis 9. Januar 2026. Sehen wir uns dort?


👋 Fazit

Diese Woche hat die unbequeme Wahrheit hinter dem SDV-Versprechen offengelegt: Software ist längst nicht mehr nur ein Differenzierungsmerkmal - sie ist eine existenzielle Abhängigkeit. Von der Monetarisierung von Software-Stacks über lahmgelegte Fahrzeuge bis zu Führungswechseln lernt die Branche, dass Resilienz, Governance und Vertrauen ebenso wichtig sind wie Innovation. Die Gewinner werden nicht nur Funktionen schneller ausliefern - sie werden Systeme entwickeln, die bei Ausfällen in einen sicheren Zustand übergehen, wenn die Cloud nicht mitspielt.

- Das SDV Insider-Team 🚗

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