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The Dispatch: Woche 29

Der Autonomie-Stack geht an die Börse, das Konnektivitätsrückgrat bekommt konkrete Netzbetreiber, und unbeaufsichtigte OTA-Updates erreichen endlich die schweren Lkw.

17. Juli 2026 · 6 Min. Lesezeit · 6 Aufrufe · SDV Insider
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The Dispatch: Woche 29

SDV Insider - 17. Juli 2026

📢 Webinar im Fokus

Die R169-EDR-Architektur aus Plattformperspektive

Referenten: Florian Rohde (iProcess) und Hemant Sikaria (Sibros).

Wie OEMs schwerer Nutzfahrzeuge die UNECE-R169-Vorschriften für Ereignisdatenspeicher erfüllen können, indem sie Unfalldaten als Chance für eine fahrzeugweite Architektur betrachten statt als isolierte Blackbox. Diese Session behandelt die Frage, ob heutige TCU den EDR aufnehmen können, eigenständige gegenüber integrierten Konzepten sowie einen Fahrplan von 2026 bis 2029 zur Typgenehmigung.

👉 HIER DIE SESSION AUF ABRUF ANSEHEN


Willkommen zurück bei SDV Insider.

Es ist Mitte Juli, die Jahreszeit, in der sich viele fragen, ob das Auto genug Empfang hat, um auf einem Autobahnabschnitt ohne Netzabdeckung einen Podcast zu streamen. Diese Woche beschäftigte sich die Branche mit derselben Frage, nur stand dabei deutlich mehr Geld auf dem Spiel. Zwei der wichtigsten Entwicklungen der Woche drehten sich darum, wer die Daten des Autos überträgt und wie: einmal über ein dediziertes 5G-Kernnetz, einmal über einen Satelliten.

Abseits der Konnektivitätsnachrichten ging es an zwei weiteren Fronten voran. Die Software, die das Auto tatsächlich steuert, ging an die Börse: Ein von GM, Mercedes und Tencent unterstützter chinesischer Autonomieanbieter wurde in Hongkong mit einer Bewertung von rund neun Milliarden US-Dollar notiert. Und der unspektakuläre, aber handfeste Praxisbeleg der SDV-Ära, ein Update, das sich installiert, während niemand im Fahrzeug sitzt, ist bei Class-8-Lkw angekommen. Die prestigeträchtige Ebene und die Basisinfrastruktur entwickelten sich in derselben Woche weiter.

Das Signal dieser Woche: Das SDV wird von der Anbindung und der Eigentümerstruktur ausgehend neu aufgebaut, nicht nur vom Code her.


🚀 Topmeldung

Momentas Börsendebüt in Hongkong macht die Softwareebene für autonomes Fahren zu einem börsennotierten Unternehmen im Wert von rund 9 Mrd. US-Dollar

Momenta, der von GM und Tencent unterstützte Anbieter von Software für autonomes Fahren, ging unter dem Börsenkürzel 6880.HK an die Hong Kong Stock Exchange und nahm rund 752 Millionen US-Dollar (etwa 5,9 Milliarden HK-Dollar) ein. Beim Debüt stieg die Aktie um rund 3 %, was einer Bewertung von knapp 9 Milliarden US-Dollar entsprach. Die Liste der Ankerinvestoren las sich wie ein Who's who der Kapitalwelt und der OEMs: GIC aus Singapur, Fidelity, BlackRock und Mercedes-Benz Group übernahmen zusammen rund die Hälfte des Emissionsvolumens.

Aufschlussreich ist die Verwendung der Erlöse. Momenta will nach eigenen Angaben etwa 60 % in seine Kerntechnologie investieren, darunter seine Algorithmen, seine Automatisierungs-Toolchain und seine Plattform Momenta Mainline, sowie etwa 20 % in die Kommerzialisierung und Skalierung seiner Robotaxi-Aktivitäten. Mit anderen Worten: Das Geld fließt in die Fahrsoftware und die Pipeline für deren Auslieferung, nicht in Stahl.

Das 2016 von Cao Xudong gegründete Unternehmen Momenta liefert Software-Stacks für assistiertes und automatisiertes Fahren an globale Automobilhersteller. Dass ein chinesischer AD-Anbieter mit Rückendeckung westlicher OEMs den öffentlichen Kapitalmarkt erschließt, markiert einen strukturellen Wandel in der künftigen Finanzierung dieser Ebene.

Unsere Einschätzung: Jahrelang drehte sich die Autonomiedebatte um Fahrleistung, Metropolregionen und Sicherheitsnachweise. Dies ist ein Meilenstein anderer Art: Am AV/SDV-Software-Stack kann man sich jetzt mit Aktien beteiligen, und seine Kapitalausstattung ist unabhängig von einem einzelnen Automobilhersteller. Wenn Mercedes sowohl Ankerinvestor als auch potenzieller Kunde ist, verschwimmt die Grenze zwischen OEM und Softwareanbieter weiter, und neben der Codebasis wird auch die Bilanz zum Wettbewerbsfeld. Es bleibt zu beobachten, ob andere AD-Anbieter dieses Debüt als günstiges Zeitfenster verstehen.

Momenta raises $500M for autonomous driving technology

⚙️ Branchenpuls

Mack Trucks bringt unbeaufsichtigte OTA-Updates mit “Lock & Leave” in die Class 8

Mack hat sein Over-the-Air-System um die Option Lock & Leave erweitert: Der Fahrer startet ein dafür geeignetes Update über das Display, schließt den Lkw ab und geht. Das Fahrzeug bleibt nur so lange mit Strom versorgt, wie für die Installation nötig, und schaltet sich anschließend selbst ab. Die Funktion debütiert diesen Herbst im Mack Pioneer, Anthem sowie den komplett neuen Granite und Keystone. Grundlage sind mehr als 50.000 Remote-Updates im vergangenen Jahr mit einer Erfolgsquote von 99,99 %. Unbeaufsichtigte OTA-Updates sind der Praxisbeleg dafür, dass das SDV-Modell bei schweren Nutzfahrzeugen Realität ist, wo jede Minute Stillstand Geld kostet.

Bildquelle: Mack Trucks

Ubers Robotaxi-Vorstoß in Washington, DC führt zum Konflikt mit dem eigenen Partner Waymo

Ein Gesetzentwurf, der den Betrieb autonomer Fahrzeuge in Washington, DC erlauben soll, ist zum Lobby-Stellvertreterkrieg zwischen zwei Unternehmen geworden, die eigentlich auf derselben Seite stehen sollten. Uber lehnt die Vorlage ab und argumentiert, sie würde menschliche Fahrer im gewerblichen Personenverkehr verdrängen und Waymo ein faktisches Monopol im District verschaffen. Waymo erklärt dagegen, eine Formulierung zu begrüßen, die klarstellt, dass dort unterschiedliche Netzwerkmodelle betrieben werden dürfen. Das AV-Regelwerk entsteht nun Stadt für Stadt, und die dahinterstehenden Allianzen beginnen entlang der Plattformgrenzen auseinanderzubrechen.

Viasat und BMW führen das erste in eine Fahrzeugplattform integrierte Satellitentelefonat

Das Gespräch wurde während der Tagungswoche der 5G Automotive Association in München in einem BMW iX3 demonstriert. Es lief über eine nicht-terrestrische NB-IoT-Verbindung unter Einsatz des Snapdragon Auto 5G Modem-RF Gen 2 von Qualcomm, des softwaredefinierten eSIM-Profilwechsels von Cubic3 und eines KI-Sprachcodecs von Fraunhofer, der für schmale Kanäle mit geringer Bandbreite optimiert ist. Das Versprechen lautet: Versorgung dort, wo der Mobilfunk endet - Sprach- und Textkommunikation für Notfälle, Flottenkonnektivität und OTA-Updates in Funklöchern. Es handelt sich um eine Forschungsdemonstration, nicht um eine Serienfunktion. Sie erweitert jedoch die Annahme ständiger Vernetzung, auf der SDVs aufbauen, über die Grenzen der Mobilfunkabdeckung hinaus.


💼 Unternehmensentwicklungen & Partnerschaften

Verizon wird zum US-Telematikrückgrat der BMW Group auf einem dedizierten 5G-Standalone-Kernnetz

Jedes neu produzierte Fahrzeug von BMW, MINI und BMW Group für den US-Markt wird nun über Verizons landesweites 5G Standalone for Connected Vehicles angebunden. Dahinter steht ein dediziertes Kernnetz nach 3GPP Release 16, das eigens für diese Aufgabe entwickelt wurde, statt auf 4G aufzusetzen. Bereitgestellt wird die Anbindung über die Global Communications Platform von KDDI. Die Verbindung unterstützt BMW ConnectedDrive, Over-the-Air-Updates für Firmware und Karten sowie Abonnementfunktionen. Das ist die Infrastrukturentscheidung unterhalb des SDV: Ein konkret benannter Netzbetreiber mit einem zweckgebundenen Kernnetz bestimmt, welche OTA- und Datendienste über die Lebensdauer des Autos überhaupt möglich sind.


📊 Markt & Berichte

MarketsandMarkets: SDV-Markt soll sich bis 2035 auf rund 1,7 Billionen US-Dollar mehr als verdreifachen

MarketsandMarkets beziffert den Markt für softwaredefinierte Fahrzeuge 2026 auf 447,55 Milliarden US-Dollar und erwartet bis 2035 ein Wachstum auf 1.707,36 Milliarden US-Dollar bei einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate (CAGR) von 16,0 %. Diese Zahlen sind als Schätzung eines kommerziellen Marktforschungsanbieters zu verstehen, nicht als unumstößliche Wahrheit. Sie liefern jedoch eine klare, zeitlich passende Größenordnung zur Einordnung der Infrastruktur- und Kapitalmarktentwicklungen dieser Woche. Zudem stimmen sie in der Tendenz mit anderen SDV-Marktschätzungen für 2026 überein, die für dieses Jahr um die Marke von 450 Milliarden US-Dollar liegen.


📅 Anstehende Veranstaltungen

SDV & AV Technology Summit - Santa Clara, Kalifornien

August 2026 (Bay Area). Treffen von OEMs, Zulieferern und Halbleiteranbietern im Silicon Valley zu SDV-Architektur, der Skalierung autonomer Fahrfunktionen und dem sich wandelnden regulatorischen Umfeld.


👋 Das war's für diese Woche

Die Signale dieser Woche:

  • Die Autonomie-Softwareebene ging an die Börse: Momentas Börsengang in Hongkong mit einer Bewertung von rund 9 Mrd. US-Dollar macht den AV-Stack zu einem unabhängig kapitalisierten Vermögenswert, mit Mercedes als Ankerinvestor und Kunde zugleich.

  • Das Konnektivitätsrückgrat bekam konkrete Namen: Verizon mit einem dedizierten 5G-Standalone-Kernnetz für alle neuen US-Fahrzeuge der BMW Group sowie ein Satellitentelefonat von Viasat/BMW für Gebiete jenseits der Mobilfunkabdeckung.

  • Unbeaufsichtigte OTA-Updates erreichten die schweren Lkw: Macks Lock & Leave installiert Updates, während niemand im Fahrerhaus sitzt - ein Praxisbeleg für kommerzielle SDVs, bei dem die Fahrzeugverfügbarkeit an erster Stelle steht.

  • Das Regelwerk ist jetzt ein Konfliktfeld: Uber und sein Partner Waymo betreiben gegeneinander Lobbyarbeit zur Frage, wer in DC Robotaxis einsetzen darf.

Prestige und Basisinfrastruktur entwickelten sich diese Woche gemeinsam weiter. Die Infrastruktur könnte dabei die nachhaltigere Geschichte sein.

- Das Team von SDV Insider 🚗💨

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